Wettbewerb ///



Internationaler Ideenwettbewerb 2004
Schrumpfende Städte - Die Stadt neu denken / Reinventing Urbanism


Im Januar 2004 lobte das Projekt Schrumpfende Städte, ein Initiativprojekt der Kulturstiftung des Bundes, zusammen mit der Zeitschrift archplus den internationalen Ideenwettbewerb Schrumpfende Städte - Die Stadt neu denken / Shrinking Cities - Reinventing Urbanism aus. Interdisziplinär arbeitende Teams aus aller Welt wurden aufgerufen, Handlungsansätze zum Thema Schrumpfung für einen von vier Untersuchungsstandorten (Halle/Leipzig, Manchester/Liverpool, Detroit, Ivanovo) zu entwickeln.

In der ersten Jurysitzung wählte die Jury aus den 312 ursprünglich eingereichten Arbeiten aus 23 Ländern (aus Deutschland, Großbritannien, den USA, Österreich und anderen europäischen Ländern sowie einer Vielzahl außer-europäischer Länder), 36 aus und bat deren Verfasser um eine weitere Ausarbeitung ihrer Ideen. Aus diesen 36 Arbeiten wurden schließlich in der zweiten und abschließenden Jurysitzung (4./5. Oktober) neun Gewinner ausgewählt, die in drei Runden ermittelt wurden. Die Verfasser der prämierten Arbeiten erhalten je 10.000 Euro, um mit diesem Betrag ihr Projekt umzusetzen. Die Ergebnisse werden als Teil der Ausstellung der zweiten Phase des Projekts Schrumpfende Städte ausgestellt, die im Herbst 2005 in der Galerie für Zeitgenössische Kunst in Leipzig stattfinden wird. Im Frühjahr 2005 wird sich eine Ausgabe von archplus mit dem Thema der schrumpfenden Städte auseinandersetzen und in diesem Zusammenhang eine Auswahl aus den 36 Beiträgen der zweiten Wettbewerbsphase diskutieren.

Abweichend von der Ausschreibung entschied die Jury am 5. Oktober 2004 nicht die vorgesehene Anzahl von zwölf Arbeiten zu prämieren, sondern lediglich neun Preise zu vergeben. Die restlichen 30.000 Euro Preisgelder sollen nach dem Willen der Jury für die Betreuung und Vernetzung der Teams in einem vom Auslober zu veranstaltenden Workshop sowie für die Realisierung der Projekte verwendet werden.


Auflistung der prämierten Projekte ///

(Jurykommentare und Abbildungen können Sie durch Klicken auf die Titel der Projekte abrufen.)

Bau an! (Halle/Leipzig)
Thema: Nutzung eines leer stehenden Plattenbaus zur Kultivierung von Edelpilzen.
Autoren: Johannes Touché, Journalist und Architekt (Berlin) und die Berliner Designer-Gruppe anschlaege.de (Axel Watzke, Christian Lagé, Steffen Schuhmann)

Claiming Land (Manchester/Liverpool)
Thema: Neue Konzepte von Flächeneigentum und -zugänglichkeit in den Leerräumen zwischen Manchester und Liverpool sowie Etablierung eines neuen, überregionalen Leitbildes von Stadt-Landschaft.
Autoren: Stefanie Bremer, Stadtplanerin (Dortmund), Dirk E. Haas, Geograf/Stadtplaner (Essen), Päivi Kataikko, Architektin (Essen), Henrik Sander, Stadtplaner (Dortmund), Andreas Schulze Baeing, Raumplaner (Liverpool), Boris Sieverts, Künstler (Köln)

Cow The Udder Way (Manchester/Liverpool)
Thema: Performance, bei der eine Herde Kühe für zwei Wochen in die Innenstadt Liverpools gebracht wird und die Möglichkeiten innerstädtischer Kleinlandwirtschaft verhandelt werden.
Autoren: Paul Cotter, Filmemacher; Gareth Morris, Architekt; Heidi Rustgaard, Performerin; Eike Sindlinger, Architekt; Ulrike Steven, Architektin; Susanne Thomas, Choreographin (alle London)

DE-tro-IT (Detroit)
Thema: Untersuchung der globalen Medienpräsenz Detroits.
Autoren: Ursula Faix, Architektin (Innsbruck), Kathrine Nyhus, Architektin (Oslo), Anders Melsom, Architekt (Oslo), Ethan Zuckerman, Philosoph (Cambridge) und die internationale Gruppe bad-architects network

Exterritories (Halle/Leipzig)
Thema: Sonderwirtschaftszonen als Exterritorien am Beispiel der unter chinesischer Verwaltung stehenden Region Halle
Autoren: Johannes Fiedler, Architekt (Graz), Jördis Tornquist, Architekt (Graz), Yueshin Lin, Grafikdesignerin (Graz), James Jolly, Ökonom (Graz), Lea Titz, Fotografin (Graz)

However Unspectacular: The New Suburbanism (Detroit)
Thema: Maßnahmenbündel, mit dessen Hilfe eine Weiterentwicklung des Konzepts der suburbanen Lebensform erreicht und die spezifischen Probleme der sozialen und ökonomischen Segregation in Detroit angegangen werden kann.
Autoren: Interboro Urban Planning & Design: Tobias Armborst, Architekt; Daniel D'Oca, Stadtplaner; Georgeen Theodore, Architekt; Christine Williams, Stadtplaner
Center for Urban Pedagogy: Damon Rich, Designer; Rosten Woo, Politikwissenschaftler (alle New York)

ich bin drin (Halle/Leipzig)
Thema: Subversive Strategien zur Unterwanderung des Zuwanderungsgesetzes.
Autoren: Michael Engel, Architekt (Dresden), Peter Ille, Architekt (Dresden), Uta Oettel, Fotografin und Kommunikationsdesignerin (Potsdam), Ulrich Trappe, Architekt (Dresden), Brigitta Ziegenbein, Architektin (Dresden)

Migrations (Manchester/Liverpool)
Thema: Metaphorisches Zusammendenken der Migrationsbewegungen von Vögeln und Menschen; Web-Cams werden eingesetzt um die Verwilderung im Sinne einer neuen Imagebildung zu nutzen.
Autoren: Annalie Riches, Architektin (London), Cathy Hawley, Architektin (London), Patricia Hawley, Mikrobiologin (Norfolk)

Resize (Halle/Leipzig)
Thema: Kritisch-ironischer Kommentar zur Verwendung von Statistiken; an die Stelle statistischer Repräsentation sollen Museen der erfassten Phänomene errichtet werden.
Autoren: Eva Grubbauer, Architektin (Graz), Pia Grubbauer, Biologin (Wien), Joost Meuwissen, Stadtplaner (Amsterdam/Wien), Wouter Vanstiphout, Architekturhistoriker (Rotterdam/Berlin)
Mitarbeit: Martin Luce, Architekt (Hamburg), Johannes Weisser, Architekt (Rotterdam)


Erklärung der Jury zur Entscheidung des Wettbewerbs /// "Der gegenwärtige internationale Prozess des Schrumpfens der Städte stellt radikal die Geschäftsgrundlagen der traditionellen Disziplinen der Raumgestaltung, Architektur und Stadtplanung in Frage.

Dynamik und Wachstum waren Dimensionen, die die Modernisierung der Stadt und eine relativ ausgeglichene räumliche Entwicklung im 20. Jahrhundert wesentlich kennzeichneten. Die gegenwärtige räumliche Polarisierung zwischen Wachstumsinseln und Orten des Niedergangs, und infolgedessen das Brachfallen von Städten und Regionen entlässt die raumbezogenen Disziplinen nicht aus ihrer Verantwortung, zu gestalten. Symbolische Strategien der Aufwertung mittels ikonenhafter Architekturen haben sich ebenso aufgebraucht, wie die künstliche Inszenierung des Städtischen via Konsum und Entertainment.

Der Wettbewerb Shrinking Cities - Reinventing Urbanism fragt nicht nur nach den Gestaltungsmöglichkeiten des Schrumpfens, sondern problematisiert damit gleichzeitig die Tools der raumbezogenen Disziplinen. Angesichts des radikalen Strukturwandels des Städtischen lassen sich Räume nicht mehr funktional, sozial, geschweige denn ästhetisch vorprogrammieren.

Die ausgewählten Wettbewerbsbeiträge argumentieren vor diesem Hintergrund: Gestaltung setzt an der alltäglichen Aktivität der Herstellung von Raum und der Produktion des Wissens über Räume an. Und sie nehmen Bezug auf die komplexen räumlichen Dynamiken, in die Orte wie Leipzig, Detroit oder Manchester/Liverpool eingebunden sind. Zwischen Raum und Gesellschaft, zwischen physischer Umgebung und sozialem Verhalten sind neue Relationen entstanden, die weitestgehend unbestimmt sind. Diesen räumlichen Beziehungen widmen sich die ausgewählten Beiträge. Die vorgeschlagenen Konzepte entwerfen - zum Teil in utopischer Geste - Strategien des Umgangs mit neuen räumlichen Unbestimmtheiten.

Für die Jury
Regina Bittner"


Jury /// Azra Aksamija, Architektin/Künstlerin, Boston
Ruedi Baur, Designer, Paris/Zürich
Regina Bittner, Kulturwissenschaftlerin, Stiftung Bauhaus Dessau
Anne Lacaton, Architektin, Paris
Georg Schöllhammer, Kunsttheoretiker, Wien




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