Kultur des Schrumpfens ///

Schrumpfende Städte sind vielfach Ausgangspunkt für kulturelle
Innovationen. Ob in Musik, Kunst oder Architektur, Literatur,
Fotografie oder Film – eine Vielzahl von Neuentwicklung in Populär- und
Hochkultur gehen aus diesen städtischen Krisenstandorten hervor.  Diese
sind oft Teil andersartiger Alltagskulturen, die gleichermaßen auf den
Potentialen wie den Schwierigkeiten dieser Standorte beruhen. Oft
leisten sie dabei einen wesentlichen Beitrag zur Neudefinition von
Identitäten und mentaler Milieus und bieten somit wichtige Ansätze für
die Konzeption von Handlungsmodellen. Im Rahmen des Projektes
Schrumpfende Städte werden wir einige Genren wie Musik, Film,
Architektur und Kunst in der ersten Projektphase exemplarisch
untersuchen und dokumentieren. Dies fomuliert eine wichtige Grundlage
für die Entwicklung der Vor-Ort-Projekte der zweiten Phase.


Schrumpfende Städte und Film /// Schwankend zwischen Abbildung und Erfindung und auf diese Art unsere Wahrnehmung des Urbanen prägend, bietet der Film seit je dramatische Bilder großer wie kleiner Städte. In der Geschichte dieses Mediums ist das Portrait der Stadt ein Topos von Beginn an. Die Probleme schrumpfender Städte hingegen tauchen eher versteckt auf, zum Beispiel in sozial engagierten Reportagen. Nur das Thema Leere erscheint wieder und wieder: in den Bildern ausgebrannter amerikanischer Ranches, verlassener spanischer Dörfer, einsamer französischer Vororte und gähnender italienischer Straßen und Plätze.

Die Filmwissenschaftlerin Antje Ehmann, der Filmjournalist Michael Baute und der Filmemacher Harun Farocki recherchieren und dokumentieren für das Projekt Schrumpfende Städte - nach Art eines "Lexikons kinematographischer Expressionen" - solche Bilder, die auf das Schrumpfen von Städten schließen lassen. Aus einer Vielzahl filmischer Sequenzen werden sie für die Ausstellung eine Videoinstallation schaffen. Ergänzend erstellen sie eine Videothek mit Filmen, in denen das Phänomen der Schrumpfung von Städten eine Rolle spielt. Ferner wird das Filmfestival Shrinking Cities Film die Berliner Ausstellung im Herbst 2004 begleiten.


Schrumpfende Städte und Musik /// In Detroit und Manchester, aber auch in den schrumpfenden Regionen von Russland und Deutschland haben die Krisen während der 1980er und 1990er eine für jeden dieser Orte spezifische Musikkultur geschaffen. Manches davon hatte sogar auf dem "Weltmarkt" der Popkultur Erfolg. In Detroit blühten Techno und House, in Manchester New Wave und Hip Hop Music. In den Sounds und Songs und Clips begegnen dem Hörer noch heute die rauhen rohen Stadträume, an denen diese Musik zuerst gespielt wurde.

Längst von der Industrie verlassen, boten leere Gebäude und freie Gelände den jungen Leuten die Chance zu neuen Formen der Produktion und Rezeption von Musik: Warehouse Parties, Raves, Clubs. Zu dem Vorteil von Räumen ohne oder fast ohne Miete kamen technologische Innnovationen, die es möglich machten, sich von den großen Plattenfirmen zu befreien und selber Labels zu gründen. In Manchester zum Beispiel entstand mit dem Post Punk der späten 1970er eine lokale Industrie für das Herstellen und Vertreiben von Musik. Sie hatte auf den Wandel der Identität Manchesters - von einer Stadt der Industrie zu einer Stadt der Dienstleistung - einen nicht geringen Einfluss.

Für das Projekt Schrumpfende Städte wird Sarah Cohen vom Institute of Popular Music der Universität Liverpool dieses Thema untersuchen. Das Ergebnis wird Teil der Ausstellung und des Katalogs. Darüber hinaus ist ausstellungsbegleitend das mehrtägige Festival Shrinking Cities Music geplant.


Studien /// Film: Michael Baute, Antje Ehmann mit Harun Farocki
Musik: Sarah Cohen, Robert Strachan (University of Liverpool, Institute for Popular Music)
Urban Scan: Albrecht Schäfer, Künstler, Berlin
Globale Studie: Tim Rieniets, Elke Beyer (Projektbüro)




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