Ivanovo ///
Ivanovo
Istorija i sovremennost
Kiril Evgenievich Baldin und Aleksandr Michailovich Semjonenko
Ivanovo 1996
Obwohl Ivanovo erst 1871 der Status einer Stadt verliehen wurde, hatte dort die Industrialisierung schon lange vorher eingesetzt. Denn Fabriken entstanden hier, wie anderswo in Russland, zunächst auf den Gütern des Adels. In den 1920ern wurde Ivanovo gern als "Rotes Manchester" bezeichnet. Damals war es, nach Moskau und Leningrad, die dritte Hauptstadt der Russischen Föderation und das Zentrum eines Bezirks, doppelt so groß wie die Niederlande und Belgien zusammen. Der Band umreißt die Geschichte Ivanovos ? vor allem seine ökonomische und soziale Entwicklung ? von den Anfängen bis zur Gegenwart. Einen Schwerpunkt bilden die Rolle der Textilindustrie sowie die Milieus der Arbeiter und vorrevolutionären Fabrikanten. Am Schluss des Bandes stehen eine Auseinandersetzung mit der schwierigen Umstellung nach der Perestroika sowie ein Ausblick auf die Zukunft der Stadt.
Die Städte Russlands im Wandel
Raumstrukturelle Veränderungen am Ende des 20. Jahrhunderts
Isolde Brade (Hg.)
Leipzig 2002
Angesichts der Erkenntnis, dass westliche Ansätze der Stadtforschung den besonderen Bedingungen der postsozialistischen Transformation urbaner Regionen nicht gerecht werden, liegt der Wert der dreizehn Aufsätze dieses Bandes vor allem darin, dass ihre Analyse und Typisierung der Städte Russlands auf exakter ? an ökonomischen und sozialen Indikatoren orientierter ? Empirie beruhen. Charakteristisch für die Entwicklung der 1990er sind der Rückgang zentralstaatlicher Intervention, die geringe Bedeutung örtlicher öffentlicher Institutionen, die undurchsichtigen Verflechtungen kommunaler Bürokratie und privater Akteure sowie die Relevanz des informellen Sektors. In der nationalen Ökonomie haben sich Moskau und Sankt Petersburg die besten Plätze gesichert, weshalb beiden Städten längere Beiträge gewidmet sind. Ein Glossar von Begriffen, die in der russischen Stadtforschung gebräuchlich sind, hilft vor allem dem westlichen Leser.
Plans, pragmatism and people
The legacy of Soviet planning for today's cities
R. Antony French
Pittsburgh 1995
Von den 200 Seiten des Buches befasst sich die erste Hälfte mit der Zeit bis zum Ende der UdSSR, die zweite mit den 1990ern. Der erste Teil gliedert seinen Stoff nach der Politik unter den Parteichefs Lenin, Stalin, Chruschtschow, Breschnew, Gorbatschow, der zweite nach Themen. Dabei fällt auf, dass Aspekten wie der "Tyrannei des Autos" und der "Aneignung der Geschichte für die Gegenwart" je eigene Kapitel gewidmet werden. Die außerordentlich späte Industrialisierung und Urbanisierung Russlands, wo während der Revolution und des Bürgerkriegs Millionen aus den Städten in die Dörfer zogen, führte in den 1920ern zu Kontroversen über Strategien der Urbanisierung oder Desurbanisierung. Seit Stalin wurde die Entwicklung zu Großstädten extrem forciert. 1926 lebten 17,6 Prozent, 1989 aber 66 Prozent der Sowjetbürger in Städten. Planerische Aktivität im Sinne der Entstehung integrierter Urbanität hatte kaum eine Chance, weil die der städtischen Verwaltung übergeordneten Ministerien erst der Ansiedlung von Betrieben, dann der Versorgung mit Wohnungen den Vorrang gaben.
Ocherki istorija starogo Puchezha
Oleg Michailovich Kiseljov
Ivanovo 2002
Puchezh, eine Kleinstadt mit etwa 11000 Einwohnern, liegt in einem an drei Seiten von der Wolga umschlossenen "toten Ende" der Region Ivanovo. Die Literatur über diese Stadt ist spärlich; der Band bildet eine von der Stadtverwaltung ? die sich auch sonst durch Initiativen auszeichnet ? geförderte Ausnahme. Er behandelt die Geschichte von Puchezh, mit Schwerpunkt auf der Zeit vor der Revolution 1917. Ein Stadtplan und einige historische Photographien illustrieren den Text.
Work and Welfare in the New Russia
Nick Manning, Ovsey Shkaratan, Nataliya Tikhonova
Aldershot 2000
Die Ergebnisse des von der Europäischen Union unterstützten britisch-russischen Vorhabens einer wissenschaftlichen Untersuchung der Arbeitslosigkeit und Armut im "Neuen Russland" beruhen auf 600 Interviews mit Akteuren der Sozialpolitik und Haushaltsvorständen. Recherchiert wurde die Lage in Moskau, Sankt Petersburg und Voronesh, einer zu Zeiten der UdSSR von Militärindustrie bestimmten und heute besonders armen Großstadt mit 900000 Einwohnern im Süden der Russischen Föderation. Zur Determination der Indikatoren von Arbeitslosigkeit und Armut griff man auf offizielle Definitionen zurück. Beschrieben werden auch die frühere sowjetische und heutige russische Sozialpolitik sowie etatistische, neoliberale und individuelle Strategien der Überwindung der Misere.
Postsozialistische Krisen
Theoretische Ansätze und empirische Befunde
Klaus Müller (Hg.)
Opladen 1998
Der mit 250 Seiten recht umfangreiche Band enthält sieben Aufsätze, die sich ? stets mit Bezug auf die Entwicklung der früher sozialistischen, osteuropäischen Staaten ? den Theorien, Strategien und Ideologien ökonomischer und sozialer Transformation widmen. Reflektiert werden dabei nicht allein diverse methodische Fundamente der Soziologie, sondern auch das Ost-West-Verhältnis und die Unfähigkeit der Soziologen, den Kollaps der UdSSR auch nur zu erahnen. Welche Gestalt die Gesellschaften Osteuropas langfristig annehmen, sei ungewiss, konstatiert Klaus Müller, Professor für Soziologie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Lässt sich die postsozialistische Transformation als Sonderfall von Modernisierung begreifen? Oder handelt es sich um einen radikalen sozialen Wandel ohne sicheres Vorbild und mit offenem Ausgang?
Territorialnaja struktura chozjajstva staroosvoennych rajonov
G.A. Privalowskaja, S.A. Tarchov, A. Trejvish u.a.A.
Moskau 1995
Die Beiträge befassen sich mit der wirtschaftlichen Entwicklung der früh erschlossenen, industrialisierten und urbanisierten Territorien des europäischen Russland. Die Autoren, ein Team von Wirtschaftsgeographen der Russischen Akademie der Wissenschaften, erläutern ? auf der Basis eines Ansatzes, der sich vor allem an der Entwicklung orientiert ? die Unterschiede der Regionen in Bezug auf den Ausbau des Landes sowie auf die Umstrukturierung, die Intensivierung und die Prozesse der Ökonomie. Sie vertreten die These, dass die Territorien für Innovation unterschiedlich aufnahmebereit sind. Der Charakter einer Landschaft wird von den Autoren als Agens und Ressource regionaler Entwicklung betrachtet.
