Globaler Kontext ///

6,1 Milliarden Menschen leben derzeit auf der Erde, davon 3 Milliarden in Städten. Bis 2030 wird die Weltbevölkerung um 2 Milliarden Menschen anwachsen (+33%). Diese Zuwächse werden fast ausschließlich durch das Wachstum der städtischen Bevölkerung verursacht. Jeden Tag kommen weltweit 190.000 neue Stadtbewohner hinzu, 2 jede Sekunde. Im Jahre 2030 werden 4,9 Milliarden Menschen in Städten leben.

Aber nicht alle Städte sind an diesem Wettlauf  beteiligt. Ob in Deutschland oder den USA, in Russland oder China, in Südafrika oder Iran, überall gibt es schrumpfende Städte, die bei der ständigen Medienpräsenz von Boom-Towns und Megacities all zu leicht übersehen werden.

In den vergangenen 50 Jahren haben etwa 370 Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern vorübergehend oder dauerhaft einen Bevölkerungsverlust von mehr als 10% hinnehmen müssen. In Extremfällen erreichte die Verlustrate sogar eine Höhe von bis zu 90% (Âbâdân, Iran).

Animierte Weltkarte der schrumpfenden Städte ///




Während in der Geschichtsschreibung der Niedergang von Städten meistens als katastrophisches Ausnahmeereignis dargestellt wird (Atlantis, Troja, Pompeji etc.), beweist die Untersuchung der vergangenen 50 Jahr eine gegenteilige Entwicklung. Schrumpfende Städte sind mehr und mehr zu einem dauerhaften Phänomen geworden. Zwar sind die Bevölkerungsgewinne der wachsenden Städte deutlich höher als die Verluste der schrumpfenden Städte, aber die Anzahl der schrumpfenden Städte hat stark zugenommen. Ihre Anzahl ist zwischen 1950 und 2000 um 330% angestiegen, während der allgemeine Anstieg von Städten über 100.000 Einwohnern nur 240%  betragen hat. Damit haben die schrumpfende Städten - entgegen aller Vermutungen, die durch die ständigen Wachstumsszenarien entstehen - in größerem Maße zugenommen als die Boom Towns.

Der Verlust an Bevölkerung erstreckte sich in einigen Städten über einen Zeitraum von über 50 Jahren (z.B. in den meisten schrumpfende Städte der USA). In anderen Fällen dauerte die Periode der Schrumpfung nur wenige Jahre (z.B. Basrah, Irak; Manila, Philippinen). In Extremsituationen - etwa bei Kriegen oder Katastrophen - haben sich die Einwohnerverluste geradezu schockartig vollzogen und in kürzester Zeit einen Großtel der Bevölkerung zum Verlassenen ihrer Stadt gezwungen. So haben Khorramshahr und Âbâdân (beide Iran) während des Iran-Irak-Krieges über 20% ihrer Einwohner innerhalb eines Jahres eingebüßt.

Die meisten schrumpfenden Städte sind in den vergangenen 50 Jahren vor allem in den westlichen Industrieländern vorgekommen, allen voran in den USA (59), in Großbritannien (27), Deutschland (26) und Italien (23). Seit 1990 treten schrumpfende Städte auch verstärkt in den ehemaligen Ostblock-Ländern, wie Russland (13), Ukraine (22) und Kasachstan (13) aauf. Außerdem hat es zwischen 1950 und 2000 überdurchschnittlich viele schrumpfende Städte in Südafrika (17) und Japan (12) gegeben. Die Schwerpunkte dieser Entwicklung liegen aber in Europa und den USA. Und dieser Trend wird sich verstärken, da vor allem Europa in Zukunft kaum noch vom weltweiten Bevölkerungswachstum profitieren wird. In 35 Jahren werden nur noch 10% der Weltbevölkerung in der so genannten westlichen Welt leben und einige Staaten müssen sich auf einen allgemeinen Bevölkerungsverlust vorbereiten.

Für die weltweite Untersuchung schrumpfender Städte wurden vom Projekt Schrumpfende Städte historische Populationsdaten von über 8.000 Städten ausgewertet. Der Bemessungszeitraum dieser Auswertung umfasst den Zeitraum von 1950-2000. Für den internationalen Vergleich und die weltweite Kartierung sind alle erfassten schrumpfenden Städte über 100.000 Einwohner herangezogen worden. Die Ergebnisse der Studie werden in der Ausstellung Schrumpfende Städte gezeigt und sollen in Form eines Atlas veröffentlicht werden.

(Gobal Study: Büro Philipp Oswalt, Bearbeiter: Tim Rieniets)




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